Studentenansturm bringt deutsche Universitäten in Schwierigkeiten
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Trotz einer allgemein rückläufigen demographischen Entwicklung werden die deutschen Hochschulen in den nächsten Jahren mit stark ansteigenden Studierendenzahlen konfrontiert werden. Kreativität und Weitsichtigkeit sind hier gefragt (Foto: Joker / Peter Albaum). Klicken Sie hier für ein größeres Bild.
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Bis 2013 erwarten Deutschlands Hochschulen einen Ansturm von 700.000 zusätzlichen Studienanfängern. Das ist ein Zuwachs von 35 Prozent im Vergleich zu den Zahlen von 2006. Dabei liegen die Werte bereits jetzt um ein Drittel über den Prognosen von vor 20 Jahren. Nach und nach erreichen die Kinder der Babyboom- Generation die Hochschulreife; gleichzeitig drängen durch die allgemeine Schulzeitverkürzung für Gymnasien in den meisten deutschen Bundesländern von dreizehn auf zwölf Jahre gleich zwei Jahrgänge zugleich in die Hörsäle. Die ansteigende Welle verdeutlicht abermals die regionalen Ungleichheiten in der Hochschullandschaft, zum Beispiel zwischen Bayern und den neuen Bundesländern. So wird im Osten Deutschlands aufgrund der dortigen demographischen Entwicklung der Ansturm sehr viel geringer ausfallen. Als besonders stark von den steigenden Studierendenzahlen betroffen hingegen gilt Nordrhein- Westfalen als bevölkerungsstärkstes Bundesland.
Das Hoch der Studierendenzahlen lässt für die nächsten zehn Jahre Überlastungssituationen und Kapazitätsengpässe an den Universitäten erwarten, die zum Teil mit flächendeckenden Zugangsbeschränkungen (Numerus Clausus) bekämpft werden. Ohne ein abgestimmtes Maßnahmenpaket zur Bewältigung des "Studentenberges", das Hochschulen und Studierenden gleichermaßen hilft, könnte die ökonomische Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands gefährdet werden. Schon jetzt ist der Mangel an hoch qualifizierten Absolventen eklatant. Lösungen müssen regional differenziert gefunden werden, etwa mittels gezielter staatlicher Finanzierungshilfen, der Einführung von Studiengebühren oder weiteren Reformen der landeseigenen Hochschulgesetze. In besonderer Weise soll der geplante Hochschulpakt 2020 von Bund und Ländern die Leistungsfähigkeit des Hochschulsystems auch künftig garantieren. Bis 2010 hat der Bund als ersten Schritt den Ländern 565 Millionen Euro zugesichert. Er übernimmt damit die Hälfte der zu investierenden Kosten. Ein ganz anderes, aber sehr attraktives Modell zur Bewältigung der Studierendenschwemme nennt Professor Dr. Detlef Müller-Böling, Leiter des Centrums für Hochschulentwicklung in Gütersloh: "Wir müssen Studienkapazitäten im Ausland ‚kaufen'. Wie Norwegen könnte auch Deutschland Studierenden, die ins Ausland gehen, bis zu 25.000 Euro für Studiengebühren, Lebenshaltungskosten und Sprachkurse mitgeben und damit nicht nur das deutsche Hochschulsystem entlasten, sondern auch etwas für die Internationalisierung der Bildung tun."
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