Europäische Charta für Forscher
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Die wichtigste Ressource der Wissensgesellschaft ist ihr Humankapital. Möglichst gute Arbeitsbedingungen für Wissenschaftler zählen deshalb zu den Grundlagen des Europäischen Forschungsraums. Vor diesem Hintergrund hat die Europäische Kommission Anfang des Jahres 2005 eine Europäische Charta für Forscher formuliert, die gegenwärtig in den EU-Mitgliedstaaten diskutiert wird. Auch in Deutschland wurde eine intensive Auseinandersetzung mit den Forderungen der Kommission ausgelöst, ein Prozess, den die Humboldt-Stiftung angestoßen hat und begleitet.
Die Charta definiert im ersten Abschnitt Grundsätze und Anforderungen für Forscher sowie für die Arbeitgeber und Förderer von Forschung. Im zweiten Abschnitt wird ein Verhaltenskodex für die Einstellung von Wissenschaftlern vorgeschlagen. Neben der Einhaltung ethischer Grundsätze und der Achtung vor dem geistigen Eigentum anderer, wird die Verpflichtung von Wissenschaftlern gegenüber der Öffentlichkeit betont. Forscher sollten sich bewusst sein, dass sie nicht nur ihren Arbeitgebern, sondern auch der Gesellschaft als ganzer gegenüber rechenschaftspflichtig sind. Arbeitgeber dagegen werden unter anderem dazu aufgefordert, für flexible Arbeitsbedingungen zu sorgen, die Übertragbarkeit von Sozialversicherungsansprüchen auch bei Auslandsaufenthalten von Mitarbeitern zu gewährleisten und das Koautorentum zu fördern. Auch junge Wissenschaftler sollten bei von ihnen mitverantworteten Publikationen namentlich erwähnt werden beziehungsweise ihre eigenen Forschungsergebnisse auch unabhängig von ihren Betreuern veröffentlichen dürfen. Für die Einstellung von Forschern wird empfohlen, Abweichungen im Lebenslauf nicht zu bestrafen, sondern sie als Entwicklungsstufen zu betrachten.
"Wir haben die Charta zum Anlass genommen, um die eigenen Programme auf den Prüfstand zu stellen", erklärt Dr. Barbara Sheldon von der Humboldt-Stiftung. "Einiges erfüllen wir schon, in manchen Punkten gehen wir sogar über die Forderungen hinaus. Bei anderen Punkten prüfen wir, ob wir unsere Programme durch Anpassungen noch wettbewerbsfähiger gestalten können."
Darüber hinaus hat die Humboldt-Stiftung einen Meinungsbildungsprozess unter den Wissenschaftsorganisationen initiiert. Diese begrüßen die Charta in vielen Punkten, empfinden aber auch Einiges als problematisch, so beispielsweise die Forderung, Forschung müsse stets gesellschaftlich relevant sein. Dies widerspricht dem in Deutschland gültigen Prinzip der Forschungsfreiheit. Auch die Privilegierung von Arbeitsverträgen im Vergleich zu Stipendienprogrammen, die in der Charta vorgenommen wird, trifft die Realität in Deutschland nicht.
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