Open Access
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Anstatt in teuren Fachpublikationen sollen Forschungsergebnisse für jeden kostenlos im Internet veröffentlicht werden - so lautet die Forderung der Open Access-Bewegung, die weltweit von zahlreichen Hochschulen und Forschungseinrichtungen unterstützt wird. In Deutschland haben sich unter anderem die Max-Planck-Gesellschaft, die Fraunhofer-Gesellschaft, die Helmholtz-Gemeinschaft, die Leibniz-Gemeinschaft, die Hochschulrektorenkonferenz und die Deutsche Forschungsgemeinschaft in der "Berliner Erklärung" von 2003 für das "Prinzip des offenen Zugangs" ausgesprochen. Zu den deutschen Open Access-Initiativen gehören die German Academic Publishers (GAP), die im September 2005 an den Start gehen.
Ein Abonnement oder doch lieber ein kleines Auto? Angesichts der explodierenden Preise auf dem Fachzeitschriftenmarkt erscheint diese Frage gar nicht so abwegig. Erbitterte Mitarbeiter von Universitätsbibliotheken illustrieren auf ihren Homepages die Zeitschriftenkosten mit Fotos von Landhäusern, Kreuzfahrten oder Fahrzeugen, die dem Gegenwert eines Jahresabonnements entsprechen. So zahlt die University of Maryland, USA, nach eigenen Angaben 14.000 Dollar für "The Journal of Comparative Neurology", die Florida Atlantic University investiert jährlich 128.000 Dollar in den Zugang zu "Early English Books Online" (eine digitalisierte Sammlung historischer Publikationen in englischer Sprache) und die Universität Konstanz führt auf ihrer Website eine Hitliste der zehn teuersten Zeitschriften,mit den "Chemical Physics Letters" für 11.346 Euro pro Jahr an erster Stelle. Die Preiserhöhungen der letzten Jahre schwanken zwischen 54 und 151 Prozent. Da die Etats diesen Ausgaben nicht mehr gewachsen sind, reagieren Hochschulen und Forschungsorganisationen inzwischen mit Abbestellungen. Das wiederum führt zu einer verminderten Versorgungssituation der Wissenschaftler. Als Ursache für die so genannte "Zeitschriftenkrise" oder "Serial Crisis" wird die monopolistische Preispolitik einiger weniger großer Verlage wie Elsevier, Wiley oder Springer betrachtet.
Vor diesem Hintergrund gewinnt die Open Access-Bewegung zunehmend an Boden. Das Directory of Open Access Journals umfasst inzwischen 1.594 elektronische Zeitschriften. Eines der Hauptprobleme der kostenfreien Publikationen ist jedoch ihre Finanzierung. Um eine den kommerziellen Zeitschriften entsprechende Qualität der Beiträge inklusive Peer Review zu gewährleisten, ist redaktioneller und organisatorischer Aufwand erforderlich. Nachdem dieser nicht mehr über die Leser erwirtschaftet wird, sehen die verschiedenen Finanzmodelle von Open Access vor, die Kosten auf die Autoren umzulegen. Pro Artikel wird dem Wissenschaftler oder seiner Institution ein bestimmter Betrag berechnet; so nimmt die US-amerikanische Public Library of Science (PLoS) für ihre Veröffentlichungen in den Bereichen Biologie und Medizin von den Autoren jeweils 1.500 Dollar. BioMed Central, ein Londoner Verlag mit einem Portfolio von über 100 Journalen, deckt einen Teil seiner Ausgaben durch Mitgliedsbeiträge; Nichtmitglieder zahlen zwischen 450 und 1.235 Euro pro Beitrag.
Kritiker von Open Access weisen darauf hin, dass auf diese Weise die Publikationskosten vom privaten Sektor auf den Staat verlagert werden. Befürworter der Bewegung argumentieren hingegen mit dem Recht des Steuerzahlers auf freien Zugang zu den von ihm geförderten Forschungsresultaten. Auch in Deutschland werden gegenwärtig eine Reihe von Open-Access-Projekten gefördert. Dazu gehören Digital Peer Publishing (DIPP), ein Projekt des Bundeslandes Nordrhein- Westfalen zur Unterstützung von e-Journalen, weiterhin eSciDoc, eine Plattform für vernetztes wissenschaftliches Arbeiten, die von der Max-Planck-Gesellschaft in Zusammenarbeit mit dem Fachinformationszentrum Karlsruhe entwickelt wird, sowie German Academic Publishers. GAP wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert mit dem Ziel, eine Plattform für Open-Access-Publikationen aller Fachgebiete zu schaffen. "Wir wollen ein Kooperationsnetzwerk etablieren, bestehend aus den Verlagen von Hochschulen und anderen Forschungseinrichtungen", erklärt Dr. Stefan Gradman, Projektleiter von GAP, "dabei sollen die Primärkosten durch Mitgliedsbeiträge von etwa 100 bis 200 Euro im Jahr abgedeckt werden. Darüber hinaus wird unser Back Office eine Reihe von Serviceleistungen vom Lektorat bis zu Druck und Vertrieb anbieten, die wir extra berechnen. Wichtig ist, dass das Portal nicht einfach als Föderation institutioneller ‚Document Repositories'mit ungeprüftem Inhalt verstanden wird, sondern nur qualitätsgeprüfte Beiträge enthält. Hierfür stehen wiederum die Mitgliedseinrichtungen gerade". Zu den Gründungsmitgliedern zählen unter anderem die Universitäten Hamburg, Oldenburg, Karlsruhe, Göttingen und die Freie Universität Berlin. Der operationale Start des Verbundes ist für den Herbst 2005 avisiert.
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