Weltweites Werben um Wissenschaftler
Neue Konzepte, um Forscher nach Deutschland und Europa zu holen
This article in English
Das Ziel ist hoch gesteckt - und das Scheitern, so scheint es bisweilen, vorprogrammiert. Bis 2010 soll Europa nach dem Willen der EU-Kommission zur weltweit führenden Forschungsregion werden. Doch immer noch gibt es Fälle wie den einer jungen Inderin, die vor ein paar Monaten in Begleitung ihres Mannes nach Deutschland kam. Der Ingenieur hatte an einer Uni in Nordrhein-Westfalen eine Stelle als Post-doc angetreten, und seine Frau kam schnell auf den Geschmack und wollte hier studieren.
Doch das Ausländeramt spielte nicht mit: Sie sei, bekam die Inderin zu hören, als Touristin eingereist und dürfe sich deshalb nicht immatrikulieren. Dafür sei ein Studienvisum nötig, das nur im Heimatland beantragt werden könne. Der jungen Frau blieb nichts anderes übrig, als zurück nach Indien zu fliegen, dort das neue Visum abzuholen und mit der nächsten Maschine wieder nach Deutschland zu kommen.
Absurde Fälle wie dieser sind es, die den Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und die Humboldt-Stiftung schon zwei Mal bewogen haben, Deutschlands freundlichste Ausländerbehörde zu küren. "Wir wollen die Engagierten loben, die Zögerlichen motivieren und die Miesmacher ins Abseits stellen", sagt der Präsident des Stifterverbands Dr. Arend Oetker. Der Wettbewerb ist Teil eines neuen Selbstverständnisses, das in der Wissenschaft mehr und mehr um sich greift: Gute Forscherinnen und Forscher müssen umworben werden, wenn sie sich für Deutschland und Europa entscheiden sollen. Deshalb wird Service groß geschrieben: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) versucht, in weltweiten Auslandsbüros Stolpersteine auf dem Weg nach Deutschland auszuräumen. Die Humboldt-Stiftung hat Mitte Mai ein Mobilitätszentrum eingerichtet, die Max-Planck-Gesellschaft hat Beauftragte ernannt, die sich um die Integration der ausländischen Gäste kümmern. Denn allen Experten ist mittlerweile klar: Wenn Europa den von Experten prognostizierten Bedarf von über 500.000 zusätzlichen Forschern bis 2010 decken will, dann darf die Mobilität der Wissenschaftler nicht an Sozialversicherungsfragen, verfallenden Rentenansprüchen oder eben der fehlenden Arbeits- oder Studienerlaubnis für den Partner oder die Partnerin scheitern. So gesehen sind die Wissenschaftsorganisationen der Politik schon um einiges voraus.
| Armin Himmelrath | 16.06.2004 |
|