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Schlechtes Abschneiden Deutschlands bei der PISA-Studie

Den Schulen fehlt eine Qualitätskontrolle

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"Bildung ist unerlässlich für den wirtschaftlichen Erfolg. Eine Schlüsselbedeutung kommt der fortgesetzten Entwicklung international anerkannter Tests zur Beurteilung von Lernergebnissen zu", heißt es in der Charta, die 1999 beim globalen Wirtschaftsgipfel in Köln verabschiedet wurde. PISA 2000 ist ein Schritt in diese Richtung. Der Pädagogikprofessor Dr. Helmut Fend machte auf einer Fachtagung der Kultusministerkonferenz allerdings darauf aufmerksam, dass die jeweiligen nationalen Erhebungen die statistischen "Grundgesamtheiten" möglicherweise nicht haargenau gleich abbilden, also mit Verzerrungen zu rechnen ist. Davon abgesehen, ist aber klar: Deutsche Schüler liegen hinter Gleichaltrigen anderer Länder zurück, weil sie oft später, mit sieben statt mit sechs oder fünf Jahren, eingeschult werden und mit 15 im Stoff noch nicht so weit sind wie die "Frühstarter". Deshalb eine Hauptforderung von Pädagogen nach PISA 2000: Jedem Kind im Sinne der Chancengleichheit einen gebührenfreien Kindergartenplatz, sodann eine bessere Grundschule.

Eine zweite wichtige Erkenntnis: die "kollektive Selbsttäuschung der deutschen Lehrerschaft", so Professor Jürgen Baumert, der Leiter der deutschen Erhebung. Er belegt die Fehleinschätzung statistisch: Ein Viertel aller Schüler ist auffällig leseschwach; 88 Prozent dieser Risikogruppe waren aber nach Vormeinung ihrer Lehrer nicht schwach. Der deutschen Schule fehlt eine öffentliche Qualitätskontrolle.

Die nationale PISA-Studie zeigt vor allem: Leistungsschwäche oder gar Schulversagen ist im Wesentlichen keine Frage der Staatsangehörigkeit, sondern der sozialen Herkunft. Von den Neuntklässlern in Brandenburg und Sachsen-Anhalt etwa fällt jeder Vierte durch ein dürftiges Text- und damit Sprachverständnis auf, wiewohl dort so gut wie alle Eltern gebürtige Deutsche sind. Für entsprechend förderungsbedürftige Kinder gibt es in Nordrhein-Westfalen jetzt zusätzlichen Nachmittagsunterricht in den Klassen fünf und sechs, also für Zehn- und Elfjährige; in Baden-Württemberg werden spezielle Förderklassen angeboten.

Ab dem kommenden Schuljahr richtet Bayern flächendeckend "Sprachlernklassen" für Schulanfänger "mit unzureichenden Deutschkenntnissen" ein. Bei der Einschulungsuntersuchung findet eine "Sprachstandsdiagnose" statt, die das Staatsinstitut für Pädagogik und Bildungsforschung standardisiert hat.

Schon nach den Sommerferien 2002 mussten in Hessen alle Erstklässler des Schuljahres 2003/4 beim künftigen Schulleiter buchstäblich vorsprechen. Er hat den Eltern dann gegebenenfalls geraten, Sohn oder Tochter in einen "Vorlaufkurs" zu schicken. Wenn der Nachwuchs bei der Einschulung die Unterrichtssprache immer noch nicht ausreichend beherrschte, konnte der Pädagoge das Kind bis zu einem Jahr vom normalen Unterricht zurückstellen und in einen Pflichtkurs zum Spracherwerb schicken.

Hermann Horstkotte 02.01.2003
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Programme for International Student Assessment (PISA)

PISA 2000 prüfte die Lesefähigkeit von 15-Jährigen als fächerübergreifende Grundfertigkeit. Beteiligt waren knapp 30 Industriestaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und Schwellenländer wie Brasilien, China und Russland. Das Ergebnis wurde Ende 2001 bekannt gegeben: Deutschland liegt beim internationalen Vergleich im unteren Drittel. Die Nation reagierte geschockt auf ihre Platzierung im globalen Wettbewerb.

Im Sommer 2002 veröffentlichte die Kultusministerkonferenz einen ergänzenden Vergleich unter den 16 Bundesländern. Am besten liegen die "Südstaaten" Bayern und Baden-Württemberg - ohne damit allerdings schon zur Weltspitze zu zählen. Jetzt machen alle Bundesländer im föderalen Wettbewerb zusätzliche Förderangebote für das Sprach- und Leseverständnis.


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