EU-Forschungsförderung: Abkehr vom Prinzip Gießkanne
Derzeit werden von EU 14.000 Projekte unterstützt
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17,5 Milliarden EUR wird die EU-Kommission in den Jahren 2003 bis 2006 bereitstellen. Das sehen die Pläne zum derzeit diskutierten 6. Rahmenprogramm Forschung vor. Dieses Programm verfolge das Ziel, die Forschungsregion Europa bis zum Ende des laufenden Jahrzehnts in der wissenschaftlichen Weltspitze anzusiedeln, erklärt EUForschungskommissar Philippe Busquin. Sein Credo: "Wir müssen Wissenschaft und Forschung noch viel mehr fördern als bisher. Es gibt in Europa auf diesem Gebiet einen riesigen Bedarf an guten Nachwuchskräften."
Erst kürzlich hatte eine Studie des Statistischen Amts der Europäischen Union ergeben, dass in den EU-Staaten derzeit jedes Jahr rund 50.000 Nachwuchsforscher zu wenig ausgebildet werden. Mit dem 6. Rahmenprogramm sollen junge Forscher deshalb in neu einzurichtenden Centers of Excellence ideale Arbeitsbedingungen vorfinden - durchaus auch mit dem Hintergedanken, sie von einer möglichen Abwanderung in die USA abzubringen.
Anders als im noch laufenden 5. EU-Rahmenprogramm wird die Forschungsförderung ab nächstem Jahr stärker strukturiert sein: Gelder werden nicht mehr nach dem sogenannten Gießkannenprinzip verteilt, sondern gehen in erster Linie an größere Projekte, in denen sich mehrere Partner zusammen geschlossen haben. "Im letzten Programm gab es nur vage Leitlinien für Projekte", unterstreicht Busquin, "deshalb wollen wir jetzt mehr integrative Elemente verankern, die die Zusammenarbeit von großen Industrieunternehmen, Hochschulen, Existenzgründern und Forschungszentren fördern." Das Projektmanagement soll dafür von der EU-Kommission auf die geförderten Einrichtungen verlagert werden; für kleinere Forschergruppen und Einrichtungen könnte das bedeuten, dass sie nunmehr im Zusammenschluss mit anderen Wissenschaftlern weiter von der Forschungsförderung profitieren können.
Außerdem definiert das 6. Rahmenprogramm bestimmte thematische Forschungsschwerpunkte, unter anderem Life Sciences, Industrielle Technologien, IT/Multimedia und Energie/Umwelt. Verbesserungen sind im neuen Programm für Marie Curie Fellows vorgesehen, denen in stärkerem Umfang als bisher Anschluss- und Rückkehrstipendien angeboten werden sollen. Gerade von den Marie Curie-Stipendiaten werden indes deutsche Forschungseinrichtungen nicht in hohem Maße ausgewählt, wie eine Auswertung der letzten Förderjahre ergab: Danach entscheidet sich nur jeder zehnte Fellow für Deutschland, fast genau so viele gingen beispielsweise in die Niederlande. Mit der anstehenden EU-Osterweiterung erwarten Experten allerdings eine stärkere Nachfrage nach Forschungsstipendien an deutschen Einrichtungen, weil die Zahl deutsch sprechender Forscher in Osteuropa deutlich höher liegt als in den meisten anderen EUStaaten.
Armin Himmelrath
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