Leuchttürme der deutschen Wissenschaft
DFG plant Forschungszentren für Spitzenqualität
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die Selbstverwaltungsorganisation der Wissenschaften, will mit 10 bis 15 kräftig gesponserten "Forschungszentren" der Spitzenqualität
den Ruf der deutschen Hochschulen deutlich verbessern. 2001 wurden die ersten beiden Schwerpunktthemen im Horizont der (Bio-)Informatik ausgeschrieben: „Neurowissenschaften: Von den molekularen
Grundlagen bis zur Kognition“ und „Modellierung und Simulation in den Ingenieur-, Natur- und Sozialwissenschaften“, lauten die
Themenfelder. Den erfolgreichen Bewerbern winken rund zehn Millionen Mark (etwa fünf Millionen Euro) im Jahr. Die maximale Laufzeit
beträgt zwölf Jahre.
Die Forschungszentren sind als eine Alternative und Ergänzung zu den 300 Sonderforschungsbereichen (SFB) konzipiert, die die DFG schon seit längerem an den Hochschulen unterstützt. Die SFB erhalten freilich "nur" jeweils eineinhalb bis zwei Millionen Euro im Jahr. Der Hauptunterschied zu den SFB: Bei diesen handelt es sich um bottom-up-Projekte, die in den Hochschulen geplant und dann von der DFG "auf Antrag" gefördert werden. Hingegen sind die neuen Forschungszentren nach thematischen Vorgaben Ausdruck einer sogenannten top-down-Politik innerhalb der deutschen Wissenschaftslandschaft.
Bei der kürzlich abgeschlossenen Evaluation der DFG durch internationale Experten war aufgefallen, dass die Schwäche der
deutschen Forschungsförderung in einer unterentwickelten strategischen Ausrichtung liege. Dieses Manko soll jetzt durch
das Programm "Forschungszentren" behoben werden. Im Unterschied zu den USA, Großbritannien und Frankreich ist die deutsche Hochschullandschaft traditionell von idealen Gleichheitsvorstellungen
geprägt. Mehr und mehr setzt sich aber in der Hochschulpolitik die
Erkenntnis durch, dass Gleichheit logischerweise Mittelmaß bedeutet, während es im globalen Wettbewerb auf Spitzenleistungen ankommt.
Das gilt nicht zuletzt im Hinblick auf den internationalen Ausbildungsmarkt. Gerade das Beispiel USA zeigt den Deutschen: Vom
Abglanz einiger weniger überragender Universitäten mit Weltgeltung zehren Hunderte anderer Ausbildungsstätten. Verkaufsmanager
sprechen vom "Imagetransfer", in diesem Falle von Harvard, Yale und Princeton auf verschwiegenere Colleges. Die neuen Forschungszentren in Deutschland sollen Weltklasse-Leistungen erbringen und
zwar auch dergestalt, dass davon auf das Image aller Hochschulen etwas abstrahlt.
| Hermann Horstkotte | 02.05.2002 |
|