EU-Osterweiterung: F&E in Mittel- und Osteuropa stärken
Angewandte Forschung in den Unternehmen soll künftig intensiviert werden
Die Zusammenarbeit auf wissenschaftlicher Ebene wird für den europäischen Integrationsprozess immer wichtiger. Forschung und Entwicklung (F&E) spielen für das Wachstum der mittel- und osteuropäischen Länder eine immer bedeutendere Rolle. So kann der Anteil des wirtschaftlichen Sektors an den Forschungskapazitäten als Indikator für den Stand des Transformationsprozesses in den Beitrittskandidaten zur Europäischen Union (EU) betrachtet werden. Die Gesellschaft zur Förderung der Forschung (GFF), Seibersdorf, Österreich, hat kürzlich einen vielbeachteten Forschungsbericht über die Innovationspotenziale von fünf Staaten - Tschechien, Slowenien, Ungarn, der Slowakei und Kroatien (kein EU-Beitrittskandidat) - vorgelegt. Zahlreiche Humboldt-Stipendiaten arbeiten in Mittel- und Osteuropa.
Untersucht wurden im Rahmen der Studie unter anderem die Ausgaben für Forschung und Entwicklung, die Patentaktivitäten und die ökonomischen Parameter. Darüber hinaus wurden die Telekommunikationsaktivitäten dieser Länder verglichen. Als wichtige Aufgabe für die nächsten Jahre formulierten die Wissenschaftler den Übergang von der eher grundlagenorientierten staatlichen Forschung zur angewandten Unternehmensforschung. Die EU fällt, was Forschung und Entwicklung betrifft, nach verfügbaren Daten aus 1997 hinter die USA und Japan immer weiter zurück. Während laut Seibersdorf- Studie Japan 2,9 Prozent und die USA 2,8 Prozent ihres Bruttoinlandprodukts für F&E aufwenden, liegt der Anteil in der EU bei 1,8 Prozent. Allein in den Jahren 1992 - 1998 ist die Differenz zwischen dem europäischen und dem amerikanischen Gesamtaufwand für Forschung von 12 auf 60 Milliarden Euro gestiegen. In Europa arbeiten lediglich 2,5 Prozent der in den Unternehmen Beschäftigten in der Forschung; in den USA sind es 6,7, in Japan 6 Prozent.
Da die osteuropäischen Länder im Durchschnitt noch unterhalb des F&E-Niveaus der EU liegen, wird die Osterweiterung mit einem weiteren Absinken der Position der EU gegenüber den USA und Japan verbunden sein - es sei denn, es gelingt den Beitrittskandidaten, mit westeuropäischer Unterstützung, ihre Anstrengungen zu steigern, so führt die Seibersdorf-Untersuchung aus.
Der Anteil des Bruttoinlandprodukts, der in Osteuropa für Forschung und Entwicklung ausgegeben wurde, konnte aufgrund eines Mangels an aktuellen Daten nur für das Jahr 1997 verglichen werden. Hier lagen die F&E-Ausgaben Sloweniens bei 1,42 Prozent, in Tschechien und der Slowakei waren es 1,18 und Ungarn und Kroatien befanden sich mit weniger als einem Prozent in etwa auf gleicher Höhe wie Portugal und Griechenland. Abfallende Tendenz zeigte das F&EWachstum in Slowenien, Tschechien, der Slowakei und Ungarn. Der größte Teil der für Forschung zur Verfügung stehenden Mittel wurde im öffentlichen Sektor eingesetzt. Die wirtschaftsbezogene Forschung lag in der Slowakei, Ungarn und Slowenien bei 31 Prozent der Gesamtaufwendungen gegenüber einem EU-Durchschnitt von 55 Prozent. In Kroatien gibt es - zumindest dem verfügbaren Datenmaterial zufolge - so gut wie gar keine Forschung in der Wirtschaft.
Ein Gradmesser für das Innovationspotenzial eines Landes liegt unter anderem in der Anzahl der inländischen Patentanmeldungen. In Slowenien erreicht der "Erfinderkoeffizient" (Patentanmeldungen pro 10.000 Einwohner) 50 Prozent des EUDurchschnitts. In der Slowakei lag er 1997 bei 0,42, in Ungarn bei 0,72 und in Slowenien bei 1,34. Ein positives Zeichen liegt hingegen in der hohen Anzahl an ausländischen Patentanmeldungen in Ungarn und Tschechien. Sie zeigt das große Interesse ausländischer Unternehmen an den dortigen Märkten, so die Studie.
|