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Alumni-Arbeit: Wert der Ehemaligen steigt

Auf dem Weg zur Alma Mater mit persönlicher Ansprache

Die Alexander von Humboldt-Stiftung hat Erfahrungsvorteile: Traditionell genießen die Gestaltung und Pflege der Beziehungen zu ehemaligen Stipendiaten einen hohen Stellenwert innerhalb der Stiftung. Seit geraumer Zeit begeistern sich auch immer häufiger die Hochschulen in Deutschland für ihre ehemaligen Absolventen.

Das Spektrum der Aktivitäten ist breit gefächert: vom Treffen beim Bier über Newsletter-Kontakte bis hin zu Fortbildungsmöglichkeiten zum Aufbau eines Alumni-Managements, das sind nur einige der üblichen Maßnahmen. Das bewegte Thema Ehemaligen-Netzwerke reizt, einmal einen Blick auf unterschiedliche Vorgehensweisen zu werfen.

Endlich wieder Mensaessen! Was für Marcel Proust sein Madeleine in Lindenblütentee, das ist für ehemalige Freiburger Studenten der Milchreis mit Zucker und Zimt am Freitag. Als fester Bestandteil der Freiburger Absolventen-Treffen bringt er eine Zeit zurück, die für viele hoffentlich eben nicht eine "verlorene" ist. Hohen Nostalgiewert hat auch die Münsterführung durch den Germanisten Konrad Kunze, mit der schon vor Jahrzehnten Erstsemestern die Stadt und das Mittelalter nahe gebracht wurden. Die Freiburger Universität ist - was die Ehemaligen-Arbeit betrifft - eine der aktivsten in Deutschland. Zu den großen Treffen werden inzwischen rund 29.000 Absolventen eingeladen. Was die Hochschulen lange versäumt haben, versuchen sie jetzt nachzuholen: Das Desinteresse am einzelnen Studierenden im universitären Großbetrieb ist einem intensiven Bemühen um die Absolventen gewichen. Die Ehemaligen heißen jetzt auch in inoffiziellen Gesprächen Alumni und der Name ist Programm: Zusammen mit der Bezeichnung soll der gesamte Komplex der Alumni-Aktivitäten, wie er in den USA und Großbritannien unter diesem Begriff seit langem Teil der Universitätskultur ist, auch in Deutschland institutionalisiert werden.

Die Alumni-Beauftragten an den deutschen Unis haben inzwischen allerdings festgestellt, dass sich das angelsächsische Modell nicht einfach verpflanzen lässt. Das Studium an US-amerikanischen und englischen Hochschulen ist durch enge Strukturen und ein großes Ausmaß an persönlicher Betreuung der Studierenden charakterisiert. Die Bindung an die Uni wird vom ersten Tag an gefördert. Dies ist mit der Anonymität an deutschen Hochschulen, an denen die Professoren den geringsten Teil ihrer Studenten mit Namen kennen, kaum zu vergleichen. Auch wenn sich für viele die Stu- dienzeit im Nachhinein verklärt, hält sich die Identifikation mit der eigenen Universität in Grenzen - zumal es in Deutschland auch zur Studienkultur gehört, die Uni mindestens einmal zu wechseln. Entsprechend gering ist die Bereitschaft, eine dieser Hochschulen finanziell zu unterstützen. Während in den USA die Spenden der Ehemaligen nur so fließen, kann man in Deutschland höchstens von "einem kleinen Rinnsal" sprechen, erklärt Professor Hans-Jürgen Ewers, Präsident der Technischen Universität Berlin, in einem Vortrag zum Thema "Alumni-Arbeit".

Eine Kopie des US-amerikanischen Vorbilds erscheint also schwer machbar zu sein - notwendig ist die Entwicklung eines eigenen Modells. Ein großer Teil der Hochschulen hat das Projekt der Absolventenbetreuung in irgendeiner Form in Angriff genommen. An einer ganzen Reihe von Universitäten existieren inzwischen Alumni-Clubs; wo zentral organisierte Aktivitäten fehlen, gibt es Ehemaligen-Projekte der einzelnen Fachbereiche (insbesondere die Wirtschaftswissenschaftler sind hier stark engagiert), und wo es noch eine weiße Fläche gibt, da ist zumindest etwas in Vorbereitung. Bei den Hochschulen, die keine Absolventen-Arbeit betreiben, liegt es denn auch nicht am feh- lenden guten Willen, sondern an finanziellen Engpässen. Denn bereits die Portokosten zur Betreuung per Brief sind in vielen Fällen nicht budgetiert und können nicht ohne weiteres bezahlt werden. Das Interesse auf Seiten der Ehemaligen ist groß. Einer Studie des Hochschul-Informations-Systems (HIS), Hannover, zufolge, wünschen sich rund die Hälfte aller Absolventen näheren Kontakt zu ihrer Hochschule. Die Erwartungen, die hiermit verknüpft sind, beziehen sich vor allem auf die Möglichkeit, wissenschaftlich auf dem Laufenden zu bleiben, sich weiterbilden und fachlichen Rat einholen zu können sowie auf den Kontakt zu Professoren und ehemaligen Kommilitonen.

Dem Bedürfnis nach Netzwerkbildung kommen die Hochschulen unter anderem durch die Einrichtung von Regional-Clubs im In- und Ausland entgegen. Career Centers vermitteln Praktikums- und Arbeitsstellen und Absolventen berichten in Vorträgen über ihre beruflichen Erfahrungen. Auch die Fortbildungsmöglichkeiten für Examinierte werden aus- gebaut. So gibt es an verschiedenen Universitäten inzwischen eine ganze Bandbreite von Angeboten, von EDV-Kursen über Seminare im Bereich Management und Organisationsentwicklung bis hin zur Ausbildung zum Psychotherapeuten. Die eigenen Absolventen erhalten Sondertarife.

"Die beste Absolventenbetreuung beginnt am ersten Tag des Studiums", meint Stefanie Terp, Pressereferentin an der Technischen Universität (TU) Berlin: "Nur zufriedene Studenten sind auch gute Absolventen. Wir laden die Alumni schon als Diskussionspartner zum Erstsemestertag ein. Darüber hinaus haben wir ein Mentoring-Programm, in dem ausländische Studenten betreut werden, aber auch beispielsweise Studenten im Ingenieurbereich." Ein Student fortgeschrittenen Semesters erklärt sich jeweils bereit, für andere als Ansprechpartner zu fungieren, ihnen beim Aussuchen ihrer Veranstaltungen behilflich zu sein und ihnen generell das Einleben an der Uni zu erleichtern. Weiterhin gibt es eine Kooperation zwischen der TU und der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft. Über diese Organisation werden Absolventinnen nach einem strengen Auswahlverfahren in Kontakt mit berufstätigen Frauen gebracht, die ihnen beim Einstieg ins Arbeitsleben zur Seite stehen. Insgesamt hat die Alumni-Vereinigung der TU rund 5.700 Mitglieder, die sich bei Vortragsveranstaltungen oder auch bei weniger förmlichen Anlässen, wie dem Umwelt-Chemiker-Stammtisch, zusammenfinden. Eine Diskussionsplattform im Netz bietet die Arbeits- gemeinschaft Alumni-Clubs in Deutschland an. Auf ihrer Homepage (www.alumni-clubs.de) finden sich Links zu den meisten Ehemaligen-Vereinigungen der deutschen Hochschulen. Ziel der Einrichtung ist die Vernetzung der Absolventen-Clubs untereinander. Jährliche Bundestreffen bieten Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch. Insbesondere an ausländische Studenten wendet sich das Projekt "Alumni.med.Live", eine medizinische Datenbank, die von den süddeutschen Universitäten Freiburg, Heidelberg, Mannheim, Tübingen und Ulm getragen wird. Eine virtuelle Fakultät von Experten aus ganz Deutschland soll Studenten, die in ihre Heimatländer zurückgekehrt sind, auf diese Weise den Anschluss an die wissenschaftliche Entwicklung ermöglichen. Ergänzt wird dieses Angebot durch Regionalkonferenzen im Ausland, wie in Brasilien, in China oder im Libanon. Das Fortbildungsprogramm wird gefördert durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg. Ziel ist unter anderem die Stärkung des Wissenschaftsstandorts Deutschland.

03.08.2001
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